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Und der Oscar geht nach... Deutschland!
Triumph für Das Leben der Anderen

Jubel pur im Kodak Theatre: Florian Henckel von Donnersmarck springt auf, umarmt seine Frau, seine Schauspieler, alle Stars um ihn herum. Der 33-Jährige hat es geschafft: Er hat die begehrteste Filmtrophäe der Welt gewonnen - mit seinem Erstlingswerk.

Sein Weg zum gefeierten Nachwuchsregisseur klingt wie im Märchen: Im November 1997 suchte Florian Henckel von Donnersmarck, damals Student an der Münchner Filmschule, verzweifelt Skriptideen für den Unterricht. Entnervt legte er sich eines Abends auf den Fußboden seines Studentenzimmers und hörte Beethoven. Lenin, sinnierte er, mied einst Beethovens „Appassionata“, weil sie ihn so sehr anrührte, dass er fürchtete, zu sanftmütig für die Revolution zu werden. Plötzlich schießen dem Studenten Bilder durch den Kopf: Er sieht einen Mann mit einem großen Kopfhörer. Der Mann ist Spitzel und hört ein Opfer ab, das hinreißend Klavier spielt. Innerhalb weniger Minuten spult sich im Kopf von Florian Henckel von Donnersmarck eine Geschichte ab: „Das Leben der Anderen“ – die Idee für einen Film über einen DDR-Offizier der Staatssicherheit, der durch Musik zum Menschenfreund wird. Noch während des Studiums beginnt der Jungregisseur mit der Umsetzung. Das Ergebnis ist fulminant: Ein spannend, sinnlich und mit viel Komik erzählter Film über einen für alle totalitären Systeme typischen Mitläufer. Eine Ode an die Macht der Kunst, die 2006 gleich sieben „Lolas“ beim Deutschen Filmpreis gewinnt. Und jetzt 2007 die Sensation: "Das Leben der Anderen" gewinnt den Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film.

Der 2,05 Meter große Jungstar – unprätentiös, höflich, konzentriert – empfängt am Esstisch seiner Berliner Altbauwohnung. Ehefrau Christiane serviert Kuchen, im Nebenzimmer plärrt Baby Leo. Der Regisseur lässt sich nicht ablenken: Er erzählt von den Schwierigkeiten, genügend Finanzierungsquellen für seinen Debütfilm aufzutreiben, von seinem Ringen um Perfektion. „Ich bin kein guter Improvisierer“, verrät der heute 33-Jährige. Ein Schwachpunkt beim Filmemachen? „Nein, ich bin immer gut vorbereitet.“ Bevor er anfing, Schauspieler und Geldgeber für „Das Leben der Anderen“ zu kontaktieren, bereitete er sich allein mehr als ein Jahr auf sein Thema vor. Genauso gründlich verfasste er das Drehbuch. Jede Szene, jeder Satz wurde immer wieder überarbeitet, zugespitzt. Das überzeugte schließlich renommierte Schauspieler wie Ulrich Mühe, Martina Gedeck und Sebastian Koch. Sie machten nicht nur mit beim Erstlingswerk des Unbekannten, sie verzichteten sogar auf einen Großteil ihrer Gagen. Eine hochkarätige Besetzung wäre bei dem kleinen Budget von 1,7 Millionen Euro sonst nie möglich gewesen. Nach fünf Jahren war das Ringen um Perfektion endlich erfolgreich abgeschlossen. Heute schmunzelt der Regisseur, auf einer Zuckertüte in einem Café habe er einmal ein gutes Leitmotiv gelesen: „Der Weg des geringsten Widerstands ist nur am Anfang asphaltiert.“


Irene von Hardenberg
Quelle: www.magazine-deutschland.de

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